Vorfreude, vermischt mit Aufregung, vielleicht eine Prise Unsicherheit über was es erwartet: Mit gepacktem Thek, gefülltem Znüni-Böxli und der heutzutage üblichen Schultüte steht das Schulkind bereit. Auch die Eltern haben gemischte Gefühle, sind mindestens so aufgeregt wie ihr Kind. Stolz vermischt sich mit Sorgen; wie wird der Neuanfang für die Familie verlaufen?

Nach ein paar Tagen oder Wochen hat sich der veränderte Alltag eingespielt: Das Schulkind steht mit dem Wecker, den es auf den Schulanfang gekriegt hat auf, zieht selbstständig frische Unterhosen an und dem Wetter passende Kleidung. Nach der Morgentoilette isst es sein Frühstück und überlegt sich, was es zum Znüni mitnehmen könnte. Kurz bevor es aus dem Haus springt, erinnert es sich, dass es den Turnsack braucht, weil heute Sport im Stundenplan steht. Mama kann ihm rechtzeitig einen Kuss auf die Stirne hauchen und ihm einen schönen Tag wünschen.

Was? Läuft es bei dir nicht so?
Bist du etwa um 8 Uhr schon zum ersten Mal erschöpft, weil du schon lange vor deinem Schulkind aufgestanden bist, um dich auf den neuen Tag vorzubereiten, Frühstück aufzutischen, Pausenbrote zu streichen? Weil du das Schulkind geweckt und aus dem Bett gelockt, ihm frische Kleider bereitgelegt hast, die es nicht anziehen wollte? Weil du all deine Verführungskünste einsetzen musstest, damit dein Kind etwas frühstückt und du es dabei alle paar Minuten zur Eile antreiben musstest? Weil du, als es bereits auf die letzte Minute aus dem Haus gehetzt war, den Turnsack vor der Türe entdeckt und ihm dann nachgesprungen bist?

Ich weiss noch, als wäre es gestern gewesen, wie ich jeden Tag erleichtert aber auch erledigt war, wenn meine zwei Schulkinder rechtzeitig aus dem Haus und vermutlich vor dem Gong im Schulzimmer eingetroffen waren. Ich mag mich nur zu gut erinnern, wie ich gefordert war, wenn eines der Kinder keine Lust zum Aufstehen oder auf die Schule hatte. An das schlechte Gewissen, wenn das Znüni-Böxli noch in der Küche lag oder der Turnsack im Flur.
Es gab Tage, da lief alles wie am Schnürchen: Die Kinder sind selber aufgestanden, sassen rechtzeitig am Frühstückstisch und packten ihren Znüni selber, bevor sie dann fröhlich schwatzend und lachend zusammen aus dem Haus stoben.

Weit öfters brauchte ich gute Argumente, Überzeugungskraft und Fantasie, um meine Kinder wie auch ihre Lehrer zufrieden zu stellen. Es war ein ständiges Jonglieren mit Kompromissen, um die Waage zu halten. Dazu kamen eine permanente Anspannung und Sorge, dass die Waage ungünstig kippen könnte, dass ich als Mutter schulpflichtiger Kinder versage. Natürlich hätte ich vieles leichter nehmen können, weniger bestrebt sein können, es allen recht zu machen.

Erst als wir unsere Kinder vor fünfeinhalb Jahren aus der Volksschule abgemeldet haben, wurde mir das Ausmass meiner permanenten Anspannung bewusst. Auf einmal fielen die Kompromisse, die tägliche Gratwanderung dem Frieden zuliebe weg, wich die Anspannung der Freude, eine präsente, natürliche Mutter zu sein.

Und jetzt könnte ich dir alle Vorzüge über Homeschooling auflisten und erzählen, wie idyllisch alles lief, nachdem wir uns entschieden hatten, die Kinder im Privatunterricht zu behalten. Aber das würde dich im besten Fall langweilen, wahrscheinlich eher nerven und von der Wahrheit ist es ebenfalls himmelsweit entfernt.

Auch wenn ich mich über die neue Leichtigkeit meines Herzens und das Gefühl, dem natürlichen Leben als Familie näher zu sein, freute – es spriessten rasch neue Bedenken und Sorgen in mir.

Im Kanton Zürich können Eltern ihre Kinder während der obligatorischen Schulzeit für ein ganzes Schuljahr im Privatunterricht anmelden, ohne dass sie eine Lehrerausbildung oder eine diplomierte Lehrkraft haben. Das war vorerst einmal beruhigend. Die neugewonnene Idylle wurde jedoch schon nach kurzer Zeit durch unzählige Fragen gestört, die nonstop durch meinen Kopf wirbelten.
Da war der Zeitdruck. Wollen wir wirklich schon das ganze Jahr aufbrauchen? Wie finden wir möglichst bald eine längerfristige Lösung? Wie können unsere Kinder ohne regelmässigen Unterricht das Wissens-Niveau ihrer Altersgenossen in der Volksschule halten? Was tun die Kinder den ganzen Tag, welche und wie viele Strukturen sind sinnvoll? Suchen wir nach einer gemeinsamen Lösung mit anderen Homeschoolern? Verbringen sie einen Teil der Schulzeit auswärts? Wie finanzieren wir eine individuelle Lösung für unsere Kinder? Welche Bedingungen müssen wir erfüllen, damit der jährliche Aufsichtsbesuch des Volksschulamtes zur Zufriedenheit aller abläuft? Und viele weitere Ungewissheiten, die für reges Gedankenkarussell gesorgt haben.

Erst viel später habe ich erkannt, dass die langfristige Entspannung nicht durch Homeschooling eintritt. Es geht an erster Stelle darum zu erkennen, was wirklich ist. Oftmals sind wir so eingenommen von unserem Umfeld, das wir glauben, täglich unser Programm abzuspulen gehört einfach zum Leben. Alle kämpfen sich mehr oder weniger mühevoll durch den Alltag, wieso soll es mir anders ergehen?

Es geht aber anders! Es ist in jedem Moment deine Wahl, ob du dich wahnsinnig oft in der Vergangenheit suhlt und dich irrsinnig um die Zukunft sorgst. Oder ob du immer mehr erkennst, was von all dem, was du immerzu abspulst, es wirklich braucht, um einfach da zu sein und das Leben zu spielen. Gwunderig?

Lass uns gemeinsam hinschauen und deine persönlichen Glaubereien erkennen. In einem Treffen oder Video-Anruf zeige ich dir, wie du selbstständig immer wieder aufs neue erkennen kannst, was wirklich ist und sofort Entspannung in den kräftezehrenden Alltag mit deinen Kindern bringst.
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